Donnerstag, 16. Mai 2013

Stockbrot, Schwein und Affengrab – unser Trip nach Wenchi

Am 23. November morgens um halb eins haben Janina und ich uns aufgemacht, um zusammen mit Gesa das erste Mal nach Wenchi zu fahren. Da haben wir die Geburtstage von Jonathan und Daniel (nach-)gefeiert. Wenchi liegt sehr viel weiter im Süden des Landes, deswegen ist es dort von der Vegetation und dem Wetter ein bisschen anders als bei uns im Norden. Während der Fahrt haben wir auch schon gemerkt, wie es immer grüner wurde. In Tamale sind wir umgestiegen in einen Bus nach Techiman, der nächsten großen Stadt bei Wenchi. Der Bus hat zwischendurch bei einer Raststätte (ja, wirklich, sowas gibt es hier! :P) angehalten und wir haben uns etwas zu Essen geholt, unter anderem eine superleckere saftige Ananas! Im Süden gibt es viel mehr Früchte als bei uns und nach der Ananas haben wir uns noch viel mehr darauf gefreut.
Als wir endlich (zugestaubt und müde) ankamen, war Jonathan schon da. Wir haben uns erstmal ein bisschen frisch gemacht und dann sind wir zusammen mit den Kindern aus dem Projekt zur Feuerwehr gegenüber gegangen (ja, auch so etwas gibt es hier!). Die Feuerwehrmänner haben den Kindern alles erklärt und Fragen beantwortet. Dann gab es noch eine kleine Führung und eine Inspektion des Feuerwehrautos, ihr ganzer Stolz. :P Ich bin zwischendurch abgehauen und hab mich ein bisschen hingelegt, weil ich so müde war!
Am nächsten Morgen gab es ein richtig fettes leckeres Frühstück mit ganz viel Obst. Mmmmh! :)
Wir sind alle zusammen (Sarah, Daniel, Ephraim, Jonathan, Gesa, Janina und ich) zum Haus des Pastors in Wenchi gegangen. Sein ältester Sohn ist nämlich ein paar Tage zuvor bei einem Motorradunfall gestorben und es ist üblich, dass man die Familie besucht und „mittrauert“. Die Beerdigung war erst ein paar Tage danach. Der Pastor war mir sehr sympathisch (nicht nur weil er ein T-shirt mit dem Todesstern aus Star Wars anhatte! :D).
Nach diesem Besuch sind wir losgegangen, um das Schwein zu begutachten. Sarah und Daniel haben nämlich extra eine Feuerstelle in den Garten gebaut und ein Schwein gekauft, damit wir es über dem Feuer braten können – zur Feier des Tages. ;)
Das Schwein war noch ziemlich lebendig in einem kleinen Stall und wir haben zugesehen, wie zwei Männer es an den Beinen gefesselt haben und dann zu uns nach Hause gebracht haben. Dabei hat es ganz ängstlich und laut (!) gequiekt, das wusste wohl, was ihm bevorsteht!
Zuhause haben sich dir Männer dann daran gemacht, das Schwein zu töten. Ich bin erstmal duschen gegangen, das wollte ich mir eh nicht ansehen. Als ich später rauskam, haben sie dem Schwein schon die Kehle durchgeschnitten und es lag auf einem Stein, von dem noch das Blut floss. Sah nicht so brutal aus, wie es klingt, ich fand es eher interessant. Aber die ganze Prozedur war auch ziemlich eklig, vor allem, als sie die Eingeweide rausgenommen haben! Einige von denen wurden in den Suppentopf geschmissen, der Rest wurde im Garten verbuddelt. Mit heißem Wasser und einer Machete wurden die Borsten abgeschabt. Dann wurden der Kopf und die Füße vom Körper getrennt und zum Schluss wurde die Stange durch den Rumpf gerammt.
Ich bin zwischendrin mit Daniel auf dem Moto los um ein Heft zu kaufen, weil ich mir noch ein paar Akkorde von Gesas Liederbuch abschreiben wollte zum Gitarre lernen.
Ich habe mich dann mit den Schreibsachen draußen auf die Mauer gesetzt und in Daniels Auftrag ab und zu mal das Geschehen an der „Schlachtbank“ fotografiert.
Später sind Ephraim, Daniel, Gesa und ich nach Techiman gefahren mit den zwei Motos, um Geld abzuheben. Auf dem Weg hat Ephraim angehalten, weil wohl irgendwas am Moto nicht stimmte, aber er ist nach kurzer Zeit weitergefahren. Später haben wir erfahren, dass die Bremse wohl kaputt war! Die Handbremse war wohl schon lange kaputt und jetzt ist auch noch die andere kaputt gegangen! Aber Hauptsache, das Ding rollt noch! Gut, dass Gesa (die bei Ephraim mitgefahren ist) während der Fahrt nichts davon wusste, sie hätte noch viel mehr Angst gehabt! Sie meinte schon so, dass der Trip Horror war, weil Ephraim so schnell fährt! Naja, wegen diesem Zwischenfall sind wir doch etwas länger als geplant in Techiman geblieben, weil Ephraim noch zur Werkstatt gefahren ist. Wir saßen solange in einer Bar und haben auf ihn gewartet, weil er, wie er sagt, viel mehr bezahlen müsste, wenn wir dabei wären!
Als wir zurück kamen, waren die anderen schon dabei, ein Feuer zu machen. Dann haben wir die Stange mit dem Schwein über das Feuer gehängt und langsam gedreht – wie bei Asterix. :P Zwischendurch hat es richtig angefangen zu regnen und da sind wir alle rausgerannt und haben uns mit einem Tuch um die Feuerstelle gestellt, damit das Schwein nicht nass wird. Der ganze Garten war so voller Schlamm, dass man aufpassen musste, dass man nicht stecken bleibt! War ein bisschen wie eine Wattwanderung da draußen. :P Sarah hat noch einen Stockbrotteig gemacht. Ephraim hat den Pastor und seine Frau eingeladen, die saßen dann in der hall rum und haben sich gelangweilt, während wir uns draußen um das Essen gekümmert haben – die Armen! Ephraim hat die ganze Zeit gesagt, dass wir reingehen und die unterhalten sollen, dabei hat er sich selbst nicht zu denen gesetzt, obwohl er nichts zu tun hatte... Naja. Er meinte dann noch, dass wir Stockbrot machen sollen und zu ihnen reinbringen sollen. Er hat das Prinzip von Stockbrot wohl nicht ganz verstanden! :D So wurde die Geburtstagsfeier ein bisschen unangenehm und stressig, aber am nächsten Tag haben wir das dann nachgeholt. :)
Der nächste Tag war ein Sonntag. Jonathan ging es schlecht. Sarah hat ihm Tabletten gegeben, aber er ist nicht mit in den Gottesdienst gegangen. In der Kirche wurde dann für Daniel „Happy Birthday“ gesungen. Leider war die Predigt auf Twi, der Stammessprache hier, aber wir hatten Übersetzer, doch die haben glaube ich unterschiedliche Sachen übersetzt.^^
Später kam der Pastor noch vorbei, um nach Jonathan zu schauen, das fand ich sehr nett, er kannte ihn doch kaum! :)
Abends haben wir dann die „richtige“ aber inoffizielle Geburtstagsfeier gemacht, so wie wir es uns eigentlich vorgestellt hatten. Wir haben gemütlich um das Feuer Stockbrot gemacht und den Rest vom Fleisch noch überm Feuer gegrillt. Gesa hat dazu noch eine superleckere Soße gemacht! :) Später haben wir zusammen einen Film geguckt und dabei eine ganze Packung Vanilleeis gegessen. Mmmmmh! Das war ein schöner Abend. :)
Am nächsten Tag haben wir ein Ausflug in ein Affendorf gemacht. Laut Ephraim war das „gleich um die Ecke“, aber wir sind im Endeffekt 2 Stunden gefahren! Der Pastor ist auch mitgekommen und so konnten wir sein Auto nutzen. Es passten aber nicht alle rein, deswegen sind Janina und Daniel mit dem Moto hinterhergefahren. Im Affendorf sind wir mit einem Führer dann in den Wald gegangen. Wir haben vorher noch ein paar Bananen gekauft, damit haben wir die Affen gefüttert. In dem Wald leben zwei Affenarten, die eine war scheu und nur in der Ferne auf den Bäumen zu sehen, aber die andere Art (namens Mona) kam ganz nah ran und haben uns die Bananen aus der Hand gefressen. Die waren voll süß und manche hatten sogar noch Babys dabei! :)
Im Wald gab es auch einen Affenfriedhof. Auf den Grabsteinen stand die Art, das Geschlecht, ob es ein Jungtier war oder erwachsen und wann es begraben wurde. Die Menschen und die Affen leben hier sehr friedlich miteinander und es ist nicht erlaubt, diese Affen zu jagen.
Wir sind noch in einen kleinen Souveniershop gegangen und dann nach Hause gefahren.
Am 27. November sind Janina und ich wieder zurück nach Bunkpurugu gefahren. Zum Glück konnten wir in Tamale, wo wir umsteigen wollten, noch ein Ticket kaufen, obwohl wir erst ankamen, als der Bus nach Bunkpurugu schon längst hätte abfahren sollen! Tja, this is Ghana for you! :P

Eure Lisa
bereit für den Grill

ein Mona-Äffchen

beim Füttern
"Ich danke recht herzlich für das vorzügliche Mahl!"



Baby ist immer dabei!

der Affenfriedhof
eines der Gräber



Mittwoch, 15. Mai 2013

Was war los im NOVEMBER?

Anfang November kam Ghanas Präsident John D. Mahama zu uns nach Bunkpurugu. Da gab es natürlich eine riesen Aufruhr und großer Trubel auf dem Marktplatz! Wir sind mit Linanturin auch dorthin gegangen und haben ewig lange gewartet. Die Leute haben getanzt und GANZ laut Musik angemacht (wie immer hier.^^) Erst spät am Abend kam Mr. President dann wirklich. Da war es aber schon so voll auf dem Marktplatz, dass wir uns mit ein paar anderen Leuten auf ein Auto gestellt haben um überhaupt irgendwas sehen zu können. Aber wir haben ihn gesehen (oja!) und er hat eine kleine Rede geschwungen. Ein anderer Mann hat (zur Unterhaltung) irgendwas auf Chinesisch gelabert und die ganzen Ghanaer haben sich gekugelt vor Lachen! :D Mahama hat 2.000 Cedi und Zement für den Bau einer neuen Moschee gespendet. Als ob es davon hier nicht schon genug gäbe! Das Geld könnte man vielleicht besser für die Ausstattung der Schulen oder die Ausbesserung der Straßen nutzen! Aber naja.
Wir haben uns nämlich mal Linanturins Schule angesehen (also die Senior Secondary School). Das ist wie ein Internat und die Schüler leben total eingepfercht in den Schlafsälen, die meistens nur einen oder gar keinen Ventilator haben! Auch die Essensausgabe findet auf dem Boden und ziemlich durcheinander statt, weil es keine Tische oder Bänke gibt. Die Klassenräume sind auch total klein, wenn man bedenkt, dass in einer Klasse bis zu 170 Schüler oder noch mehr sind! Und das mit nur einem Lehrer. Unglaublich!
Und die Arbeit? Bei den Extra Classes habe ich gelegentlich mal die J.H.S. (Junior High School), also die älteste Klasse übernommen, wenn der Lehrer nicht da war. Ich habe sie mal aus Interesse gefragt, was sie werden möchten und sie haben alle gesagt, dass sie irgendwas im naturwissenschaftlichen Bereich machen wollen! Ich weiß nicht, ob sie meine Frage nicht richtig verstanden haben und dann einfach nachgesagt haben, was die erste Person gesagt hat, aber ich habe schon gemerkt, dass sie von allen Fächern am liebsten Science machen... Ich habe mit ihnen mal einen Mathetest gemacht, der ist leider sehr schlecht ausgefallen! Da standen die wildesten Zahlenkombinationen drin! Leider ist das Schulsystem hier ziemlich schlecht, alles basiert nur auf auswendig lernen und logisches oder eigenständiges Denken oder Kreativität wird überhaupt nicht gefördert! :/
Nach den Extra Classes haben ein paar der Kinder uns ein bisschen Moar (also ihre Stammessprache) beigebracht und wir ihnen im Gegenzug ein bisschen Deutsch. :)
Beim Meeting (also dem Spielenachmittag) habe ich versucht, den Kindern „Joy to the world“ beizubringen. Klang ziemlich holprig, aber wir müssen ja auch keinen Wettbewerb gewinnen! :D Es hat den Kindern zumindest Spaß gemacht, und darauf kommt es schließlich an. :)
Wir sind mit Dada das erste Mal an die Schulen der Kinder gegangen. Wir haben mit den Lehrern geredet und auch mit den Direktoren, haben unser Projekt vorgestellt und uns nach der Leistung und der Anwesenheit der Kinder erkundigt. Das ganze haben wir noch in Listen eingetragen.
Eine ganze Menge Vorlagen für solche Listen haben uns Ephraim (Dada Ayembillas Sohn) und Daniel (ein anderer Freiwilliger) gebracht, die uns aus Wenchi besuchen kamen. Sie sind die ganze Strecke von Wenchi bis nach Bunkpurugu zu zweit inklusive Gepäck auf einem Motorroller gefahren! Das ist ganz schön heftig, der Weg ist nämlich echt weit und die Straßen sind ja auch nicht grade angenehm zu fahren in unserer Gegend!
Wir haben Daniel den Staudamm in unserer Nähe gezeigt und am Abend hatten wir noch mit Ephraim eine Besprechung. Sie haben uns erzählt, wie es mit der Arbeit in Wenchi weitergeht und uns wie gesagt jede Menge Listen zum Ausfüllen gegeben. Da kam dann nochmal ne Menge Arbeit auf uns zu! Es gab auch noch eine Besprechung mit den Lehrern, bei der Ephraim nochmal über Pünktlichkeit und so geredet hat. Das wird nämlich leider ziemlich vernachlässigt...
Mit Elisa sind wir nochmal nach Tamale gefahren und haben dann bei Duston (der Sohn unseres Gastvaters) übernachtet. Dort habe ich mir eine Gitarre gekauft, damit ich wenigstens ein bisschen Musik machen kann, ein Klavier kann man ja eher weniger gut transportieren!^^ Außerdem gibt es hier keine Klaviere, im Dorf wussten sie noch nicht mal, was das überhaupt ist! Gitarre muss ich noch üben, aber irgendwann muss man ja mal anfangen. :)
Ich habe mir auch einen Stoff gekauft und in Bunkpurugu sind wir dann auch gleich damit zur Schneiderin gegangen. Falatienang (eines unserer Kinder) hat uns den Weg zu einer Schneiderin gezeigt, weil wir hier ja noch keine kannten. Ich habe mir aus dem neuen Stoff ein Kleid und ein Top machen lassen.
Mit Fati, dem Mädchen aus Linanturins Schule, mit der ich auch schon ein paar Mal joggen war, haben wir gelegentlich noch was unternommen. Einmal hat sie uns zu einem christlichen Jugendgottesdienst eingeladen – als Muslimin wohlgemerkt!
Der Gottesdienst war Open Air und fand an der Schule statt. Als wir ankamen, hat uns der Moderator durch die Menge hindurch begrüßt und uns gesagt, dass wir uns auf die „Bühne“ auf Stühle setzen sollten. Das war uns mächtig unangenehm, eigentlich wollten wir nur ein bisschen von hinten zusehen... Dann mussten wir auch noch uns vorstellen durchs Mikro und ich sollte was vorsingen auf Deutsch. Peinlich, aber die Leute sind fast ausgeflippt vor Lachen. :D
Es wurde sehr viel getanzt und die sind richtig dazu abgegangen. Ich würde das Abspacken nennen, aber hier ist das normal. :P Die haben so viel getanzt, dass der ganze Staub aufgewirbelt wurde. Wir haben aber lieber einfach von unseren Plätzen aus zugesehen, das war schon amüsant genug.
Der Prediger kam aus der Pfingstgemeinde und er hat darüber gepredigt, dass man eine Vision haben soll und der nacheifern soll. Oder so. Manches war für mich nicht so leicht verständlich, aber die Leute haben immer zustimmend „Yes!“ oder „Amen!“ gerufen. Oft wird ihnen was gesagt, was sie nachsprechen sollen und alle machen immer ordentlich mit. Manchmal frage ich mich, ob die hier überhaupt eine Kritikfähigkeit besitzen, oder ob die einfach immer alles nachplappern...
Nach der Predigt hat der Pastor noch ne Gebetssession gemacht und dabei Geister ausgetrieben. Das war ziemlich krass, da kamen Leute aus der Menge in die Mitte, die geschrien haben, bzw. sie wurden dahin getragen. Die haben sich dann auf dem Boden gewunden und geschrien, bis der Pastor für sie gebetet hat und dann lagen sie einfach da. Nach ner Weile sind sie dann aufgestanden und meistens mit Hilfe von anderen weggetorkelt.
Als der Pastor fertig war, hat ein anderer Typ weiter gemacht mit der Gebetssession. Linanturin hat uns nach Hause gebracht, weil wir ziemlich müde waren und ist dann wieder zurück. Fati haben wir nicht mehr gesehen, sie wollte eigentlich nur kurz ins Haus und später dazu kommen.
An einem anderen Tag kam Dada Ayembilla uns besuchen. Er hat mir ein Päckchen von Zuhause mitgebracht. Da hab ich mich natürlich riesig gefreut! :) Er hat auch noch ein paar Materialien für die Extra Classes mitgebracht, zum Beispiel sogenannte Copy Books für die Kleinen zum Schreiben lernen. Außerdem gab es noch zwei neue Bälle für die Spielenachmittage. :)
Das heißt, am nächsten Mittwoch haben wir gleich die Bälle mitgebracht und einen Fußballtag daraus gemacht. Das hat den Kindern total Spaß gemacht, das hat man richtig gemerkt! :P Hinter der Schule ist ein Bolzplatz, das hat also super gepasst. Die Mädels haben auch ordentlich mitgemischt beim Spielen! ^^
Am 23. November sind wir nach Wenchi gefahren um dort mit den anderen Freiwilligen die Geburtstage von Jonathan und Daniel nachzufeiern. Aber darüber soll nochmal ein eigener Blogeintrag berichten...
Ende November gab es bei uns schon beinahe so etwas wie eine anfängliche Weihnachtsstimmung, weil Janina und ich zusammen einen Adventskalender gebastelt haben (jeder hat für den anderen etwas reingefüllt). Trotzdem ist es bei der Hitze schwer, irgendwie in Stimmung zu kommen, trotz Tee und Kerzen.^^
Das war eigentlich schon alles, was so im November passiert ist. Ich hoffe, der Blogeintrag ist nicht zu lang, aber ich will jetzt endlich mal schnell auf den aktuellen Stand kommen! Wir waren nämlich in der letzten Zeit im Urlaub und deswegen konnte ich nichts schreiben...

Eure Lisa
der Staudamm

alle warten auf den Präsidenten - und es wird von überall zugesehen

Fußball spielen bei den Großen...

und den Kleinen.

ich versuch's!

unsere neuen Kleider

Montag, 8. April 2013

Über die Vorzüge des Lehrens und anderer Unsinn

Jeden Tag wurden wir um drei von einigen unserer Kinder abgeholt, die uns dann zur Schule geleitet haben.
Wenn der Lehrer mal nicht kam, habe ich den Unterricht für die J.H.S. übernommen. Das kam leider ziemlich oft vor. Also habe ich nochmal meine alten Mathekenntnisse aus den tiefsten verstaubten Winkeln meines Gehirns rausgekramt und den Kindern was von rechten Winkeln und Gleichungen erzählt. Das war schon eine Herausforderung auf Englisch! Bei der jüngsten Klasse – der Lower Primary – fiel das Unterrichten schon leichter. Das Einmaleins und die Regeln des schriftlichen Subtrahierens haben sich noch nicht ganz aus meinem Verstand verflüchtigt.
Man hört ja immer, dass die Lehrer angeblich auch immer dazulernen, wenn sie etwas beibringen. Was ich beim Lehren lernen musste war definitiv Geduld! Du kannst dem Kind zum hundertmillionensten Mal erklären, dass Minus bedeutet, dass man etwas WEGNIMMT, also dass am Ende WENIGER da sein muss als am Anfang, und trotzdem schaut es dich mit großen Augen an und antwortet auf die Aufgabe 12-7 in tiefster Überzeugung: 34. Und dann erklärt man es halt nochmal zum hundertmillionenundeinsten Mal.

Albert lernt das Alphabet
Trotzdem hat Lehrer sein auch seine Vorzüge (wenn man mal davon absieht, dass man am Ende über und über mit Kreidestaub bedeckt ist). Wenn ein Kind es mal entgegen aller Erwartungen doch die richtige Antwort sagt, macht mich das richtig stolz. Und es freut mich, wenn ich sehe, dass es ihnen Spaß macht – ja ihr habt richtig gelesen, Lernen kann unter Umständen auch Spaß machen!
Die Extra Classes dauern zum Glück nur eine Stunde an drei Tagen in der Woche, sonst wäre ich wahrscheinlich inzwischen ein seelisches Wrack. :P Wir haben also genug freie Zeit.
Im Oktober ist Ephraim (der älteste Sohn von Dada Ayembilla und der Projektleiter in Wenchi) mit Daniel (einer der Freiwilligen in Wenchi) uns besuchen gekommen. Sie haben uns ein paar Dokumente für die Büroarbeit gegeben, wie zum Beispiel eine Tabelle für die Übersicht über die Krankenversicherungen der Kinder. So hatten wir dann noch einiges auszufüllen und zu digitalisieren. Dafür sind wir an die Schulen gegangen und haben uns bei den Lehrern über die Schulleistungen unserer Kinder informiert und das alles in einem Dokument festgehalten. Auch Zuhause haben wir die Kinder besucht, um die Umstände kennenzulernen, in denen sie leben und auch die Familienangehörigen. Man merkt schon, dass die meisten unserer Kinder deutlich unter den Verhältnissen unserer Gastfamilie leben, und natürlich noch viel weiter unter unseren Verhältnissen in Deutschland, aber das ist kein Vergleich. Die meisten sahen wir als gut versorgt an, aber bei manchen kann man schon sagen, dass sie in Armut leben. Zum Beispiel zwei Schwestern, die bei ihrer Großmutter wohnen, die mit ihnen noch ein paar andere Kinder zu versorgen hat. Die alte Frau ist fast blind und geht immer in den Busch um Stroh zu sammeln, dass sie zu Ballen zusammenknüpft, aus denen die typischen Strohdächer gemacht werden. So verdient sie ein bisschen Geld. Sie leben in einem kleinen Haus zusammengepfercht. Die Umstände haben mich schon ziemlich bedrückt. Da merkt man mal wieder, wie gut wir es in Deutschland haben mit Sozial-, Rentenversicherungen und Hartz IV...
Auf dem Rückweg von der Schule nach den Extra Classes haben uns die Kinder ein bisschen ihre Sprache Moar beigebracht. Im Gegenzug haben wir ihnen auch ein wenig Deutsch beigebracht, ich glaube beide Seiten haben sich gleichermaßen über die andere amüsiert!^^
Tja, was ist noch so im Oktober passiert?
Wir sind nochmal nach Tamale gefahren, was aber dieses Mal wesentlich entspannter war als beim ersten Mal. Wir konnten bei Dadas Sohn Duston übernachten und haben wieder ein paar Einkäufe erledigt.
Mit Linanturin, dem Mädchen, das bei uns im Haus lebt, sind wir mal zu ihrer Schule gegangen, der Senior Secondary School hier in Bunkpurugu. Da haben wir ihre Freundin Fati kennengelernt, die inzwischen auch zu unserer Freundin geworden ist. Mit ihr bin ich ein paar Mal joggen gegangen, aber das ging nach einer Weile einfach nicht mehr, weil es immer heißer wurde. Die Regenzeit war schon fast zuende, und so wurde es immer trockener und auch heißer. Außerdem mochte ich es nicht, von irgendwelchen fremden Leuten angestarrt zu werden, die wahrscheinlich noch nie ein weißes Mädchen beim Joggen gesehen haben! Wir sind hier nicht bei den Olympischen Spielen! :D

Eure Lisa

Dienstag, 26. März 2013

Eine sehr lange Hochzeit

20. Oktober
Morgens waren im Hof schon wieder ganz viele Leute, die eine Hochzeit vorbereitet haben. Es wurden riesige Mengen an Essen zubereitet! Wir haben unsere Kleider angezogen und uns schick gemacht und dann waren wir auch schon zu spät dran. Aber bei Hochzeiten macht das gar nichts. :P Dada hat gesagt, dass sein Sohn Duston heute gekommen ist für die Hochzeit. Das ist der, der in Tamale wohnt.
Wir sind zur Kirche gegangen und haben uns in die Reihen zwischen einige Frauen gesetzt. Es lief gerade Musik und alle haben getanzt. Neben mir saß eine Frau mit einem Kind, das die ganze Trauung über meine Kamera haben wollte. Hab ich ihm natürlich nicht gegeben, dafür einen Stift zum Spielen.
Das Brautpaar hieß Moses und Linda und deren Familie ist natürlich auch gekommen. Die Familie der Braut saß auf der linken und die Familie des Bräutigams auf der rechten Seite am Rand der „Bühne“. Rechts war ein Bogen aus Luftballons aufgebaut und darunter standen vier Stühle. Vorne saß das Brautpaar und hinten der Trauzeuge und die Brautjungfer. Die haben immer zwischendurch dem Brautpaar die Stirn abgetupft oder den Schleier zurechtgerückt oder so.
Wir haben alle ein Programm in die Hand gedrückt bekommen. Hatte ein paar Rechtschreibfehler.^^ Das stand unter „8PROGRAMME LINE UP“:

      1. Arrival of Guest
      2. Opening Prayer
      3. Praises & Worship-Voice of victory (so heißt die Musikgruppe der Gemeinde)
      4. Arrival of Groom
      5. Introduction of Visitors and Guest
        Host Pastor – Rev. Jonathan Yiddi
      6. Arrival of Bride
      7. Song Ministration -Voce of victory
      8. Sermon and Wedlock-
        Rev. Jacob Duut
      9. Song ministration -Madam Sala
      10. Presentation of Marriage Certificate
      11. Offering-
      12. Vote of thanks -
      13. Announcements
        Church Secretary – Mr. Yambil Paul
      14. Closing prayer & Benediction
Wir kamen grade bei Punkt 3 rein. Während die noch gesungen haben, kam der Bräutigam rein. Mit ihm viele junge Männer (sodass man erstmal nicht wusste, wer jetzt eigentlich der Bräutigam ist.^^ Einige der Männer haben so eine Art Vuvuzela getrötet. :D Der Trauzeuge hat den gleichen Anzug wie der Bräutigam getragen, schwarz mit einer roten Blume im Knopfloch. Die zwei haben sich unter den Luftballonbogen gesetzt. Die Braut kam erst viel später und es wurde die ganze Zeit getanzt.
Das meiste von der Trauung war einer Hochzeit bei uns sehr ähnlich. Aber hier heiratet man wohl gleichzeitig kirchlich und standesamtlich, deswegen wurde auch der Papierkram noch im Gottesdienst erledigt – ganz feierlich natürlich. Die Kleidung und die Dekoration fand ich für meinen Geschmack ein bisschen sehr kitschig. :D
Der Traugottesdienst hat richtig lange gedauert! Nach 5 Stunden haben wir es nicht mehr ausgehalten und sind vorzeitig nach Hause gegangen. Ich verstehe nicht, wie die Ghanaer das schaffen, die haben ja auch noch die ganze Zeit getanzt!
Der nächste Tag war ein Sonntag. Im Gottesdienst hat das frischvermählte Paar und die Familie wie üblich von vorne der Gemeinde gedankt für ihre Unterstützung bei der Feier und ein Lied gesungen. Die beiden waren im Partnerlook, das ist hier wohl auch üblich so. Nach dem Gottesdienst haben wir dem Pastor und seiner Frau Hallo gesagt und Duston hat uns dem frischvermählten Paar vorgestellt. Das sind nämlich seine Freunde. :)

Eure Lisa
fertig für die Hochzeit
das Brautpaar unter dem Ballonbogen

Tanzen, tanzen und noch mehr tanzen!
Papparazzi mit Handykameras

mit Duston unterm Mangobaum

Sonntag, 24. März 2013

Die Arbeit beginnt

Am 15. Oktober sind wir das erste Mal zu unseren Extra Classes gegangen. Wir sind um drei von unserem Haus aus losgegangen. Vor der Tür stand schon ein junger Mann, der uns zur Schule begleitet hat. Später stellte sich geraus, dass er auch einer von unseren Kindern ist! Er ist aber laut den Registrierungsbögen 20 Jahre alt. Auch wenn man sich auf die Aussagen zum Alter nicht immer so verlassen kann, fanden wir es schon komisch, dass wir jemanden dabei hatten, der älter ist als wir selbst! Aber er hat die Extra Classes SEHR nötig, also ist das in Ordnung. ;)
Unterwegs sind immer mehr Leute mit uns gekommen, die Kinder und die Lehrerinnen Comfort und Lamisi. Am Ende waren wir eine große Karawane auf dem Weg zur Schule. :P
Die Schule ist direkt hinter der Kirche, also war uns der Weg schon ein bisschen vertraut. Es sieht aus wie ein leerstehendes Haus (bzw. mehrere kleine Gebäude), weil es keine Türen oder Fenster gibt, nur Löcher in der Wand und drinnen stehen ziemlich durcheinander einfach ein paar Holzbänke wie vor hundert Jahren. Die Bänke fallen zum größten Teil schon auseinander und sind nur notdürftig zusammengenagelt. An der Wand hängt eine verschmierte Tafel, auf der nicht mehr viel zu erkennen war. Aber auch an der Wand war ganz viel mit Kreide geschrieben.
Die Kinder wurden von Dada in drei Gruppen eingeteilt, die Lower Primary, Upper Primary und JHS (Junior High School). Ein paar von den registrierten Kindern waren nicht da und es waren auch viele andere Kinder da, die nicht in unserem Programm sind. Wir haben insgesamt 30 Kinder im Programm. Zum Glück gibt es noch die Lehrer (es sind eigentlich drei, aber ein Lehrer war nicht da und auch nicht zu erreichen...), sonst wäre es schwierig mit drei Klassen, die alle auf einmal stattfinden! Es beginnt um 15.30 Uhr wurde heute entschieden und morgen geht es dann richtig los. Die Extra Classes dauern eine Stunde. Das ist natürlich chillig. Morgen sollen wir die Schulhefte für die Kinder mitbringen. Nachdem alles Organisatorische besprochen war, sind wir auch schon wieder nach Hause gegangen und am nächsten Tag ging es dann los mit dem Unterricht.
Ein Tag später sind wir wieder um 3 los zur Schule, obwohl es ja erst um halb vier losgeht und wir nur ca. 10 Minuten bis zur Schule brauchen, aber wir dachten uns, besser ein bisschen früher da sein am ersten Tag. Die Kinder schlossen sich uns auch wieder auf dem Weg an und ein Mädchen hat mir die Hefte abgenommen und auf dem Kopf getragen, die wir ja heute an die Kinder verteilen sollten. An der Schule kamen uns schon ein paar Kinder entgegen. Zwei von ihnen haben auch gleich unsere Taschen getragen und ein Mädchen hat einfach Janinas Hand genommen! Voll süß!^^ Wir waren natürlich von den Erwachsenen die ersten an der Schule, weil wir ja zu früh waren, aber ziemlich bald kam schon Dada, der noch das Attendance-Registry-Heft (also die Anwesenheitsliste) ausgefüllt hat. Comfort und ein weiterer Lehrer (sein Name ist Azumah) kamen dann auch kurz nach halb. Dada hat dem Lehrer eine Standpauke gehalten. Es war zwar auf Moar, obwohl die hier oft so eine Mischung aus Moar und Englisch sprechen, d.h. man versteht immer so Bruchstücke. Aber sagen wir mal, die nonverbale Kommunikation war auch eindeutig. Aus den Bruchstücken meine ich erkannt zu haben, dass es darum ging, dass der Lehrer gestern nicht erschienen ist und sich auch nicht bei Dada gemeldet hat, obwohl er den ganzen Tag Zuhause war. Lamisi hat angerufen und gesagt, dass sie nicht kommen kann, weil ihr Fuß wehtut aber Dada hat Azumah seinen Moto-Schlüssel gegeben und gesagt, dass er sie abholen soll. Als die zwei dann wieder da waren, konnten wir anfangen. Dada hat den Kindern gesagt, dass sie sich je nach Gruppe in die drei Klassenräume aufteilen sollten. Dann sind die Lehrer mit uns nacheinander in „ihre“ Klassen gegangen (Azumah übernimmt die JHS, Lamisi die Upper Primary und Comfort die Lower Primary). Sie haben die Namen aufgerufen und im Attendance-Registry-Heft abgehakt und dann ist das Kind nach vorne gekommen und hat sich bei uns sein Heft abgeholt.
Als wir damit fertig waren, sind wir wieder nach draußen zu Dada gegangen, der im Schatten auf einer kleinen Mauer saß. Es waren viel mehr Kinder als unsere 30 da und Dada hat gesagt, dass die, die nicht zum Programm gehören, weggehen sollen. Er hat uns ein bisschen was erklärt, z.B. dass er noch auf die Bücher wartet, es wird wohl in Englisch, Mathe, Naturwissenschaften und Sozialkunde unterrichtet. Morgen ist das erste Mal das „Meeting“, wo alle Kinder zusammen mit uns Spiele machen. Dada meinte, wir können das morgen ausfallen lassen, weil wir ja noch nichts vorbereitet haben, aber wir haben gesagt, wir können das trotzdem morgen machen, bis dahin überlegen wir uns schon was.
Dann sollten die Kinder rauskommen und sich je nach Gruppe in drei Reihen aufstellen. Dada hat ihnen noch ein paar Informationen gegeben und dann wurden sie (und wir) entlassen. Auf dem Nachhauseweg haben wieder die Kinder unsere Sachen getragen, sogar bis rein in unser Haus. Das war uns am Anfang noch unangenehm, aber inzwischen haben wir uns dran gewöhnt. Die Kinder würden es auch nicht zulassen, wenn wir die Sachen selber tragen würden und sie freuen sich, das für uns zu machen.
Sehr praktisch. :)
Am Mittwoch war dann das erste Mal „Meeting“ und wir mussten uns irgendwelche Spiele überlegen, die man mit den Kindern spielen kann ohne Material. Uns ist dann aber doch noch einiges eingefallen.
Wir haben ihnen Plumpssack beigebracht (das haben wir „Falling Bag“ genannt^^) und einfach gesagt, dass sie irgendein Lied dabei singen sollten. Das hat denen glaube ich ziemlich viel Spaß gemacht. :) Dann haben wir noch „This Story of my Pony“, Kuhstall und noch ein paar andere Spiele gespielt. Manche haben sie nicht ganz verstanden... Die Kinder haben uns selber auch ein paar von ihren Spielen beigebracht, das habe ich wiederum teilweise nicht ganz verstanden, aber lustig war es trotzdem. :D
Sie haben sich immer fast drum gekloppt, neben uns stehen zu dürfen und sie haben ständig unsere Hand genommen. ^^
Ein Mädchen hat sich beim Spielen das Knie aufgeschrappt. Hingefallen sind die alle ständig, aber bei ihr war das Knie blutig. Ich hatte zum Glück ne Wasserflasche mit, damit konnten wir zumindest schonmal den Sand abwaschen. Das nächste Mal bringen Janina und ich Pflaster mit! Sie saß dann am Rand und konnte nicht mitspielen, das tat mir Leid. Hab mich ein bisschen zu ihr gesetzt.
Janina meinte später, dass die älteren Jungs wohl ein bisschen gelangweilt aussahen. Wir müssen das nächste Mal einfach ein zweigeteiltes Programm machen, damit auch was für die Älteren dabei ist, oder wir kaufen mal einen Ball oder so...
Der Lehrer Azumah war auch dabei, und er hat ein bisschen für die Kinder übersetzt, wenn sie ein Spiel nicht ganz verstanden haben. Wir sind mit ihm die Anwesenheitliste durchgegangen und dann hat er gefragt, ob wir noch irgendwelche Ansagen für die Kinder haben. Wir haben nur gesagt, dass morgen Extra Classes sind und dass sie ihre Hefte mitbringen sollen und Schulbücher, wenn sie welche haben. Der Leher hat noch gesagt, dass sie morgen pünktlich sein sollen, damit wir früh Schluss machen können. Morgen ist nämlich Market Day und dann können sie später noch auf den Markt.
Auf dem Heimweg ist mir aufgefallen, dass die Kleidung von den Kindern ziemlich zerschlissen aussieht. Ich wünschte, ich hätte auch so einen Koffer wie Annika in Jirapa mit ganz vielen Klamotten für die Kinder dabei!

Eure Lisa
an der Schule

in diesem Gebäude finden die Classes statt

beim Spiel "American Eagle - British Bulldog"

einer der Klassenräume

das Schulgelände
ein beliebtes Spiel

Wir mit unserer Rasselbande :)

Samstag, 9. März 2013

Tamale

Bildunterschrift hinzufügen
Am 12. Oktober sind wir das erste Mal nach Tamale gefahren. Um halb 1 in der Nacht sind wir mit Duncen zur Busstation gegangen. Dort stand schon der Bus bereit, aber wir konnten noch nicht einsteigen, weil erstmal das Gepäck beladen wurde. Wir haben unsere Rucksäcke aber mit auf unsere Plätze genommen. Wir hatten 4 Plätze vorne, zwei davon waren noch für Elisa und Gesa, die aber erst in Nakpanduri dazu gestiegen sind. Um halb 2 ungefähr sind wir in Bunkpurugu losgefahren.
Der Bus war ziemlich klapprig mit braunen Ledersitzen. Bei den unzähligen Huppeln auf dem Weg hat es die ganze Zeit so geruckelt, dass man dachte, der Bus fällt gleich auseinander! Ich hab mir einen Fensterplatz geschnappt und mich mit dem Kissen gegen das Fenster gelehnt, so konnte ich zumindest ein bisschen dösen. Ich war nämlich echt müde! Nach ein paar Ortschaften kamen immer mehr Leute rein, sodass sie irgendwann im Gang stehen mussten. Und das auf einer Sechs-Stunden-Fahrt mitten in der Nacht! Hühner waren auch mit von der Partie, die ab und zu wild rumgegackert haben, wenn der Bus über einen Huppel gefahren ist. :D
Einmal mussten wir alle aussteigen und ein Stückchen zu Fuß laufen, weil ein Tanklaster den Weg versperrte, der da irgendwie stecken geblieben ist. Der Bus ist dann durchs Gestrüpp außen rum gefahren. Wir hatten über uns einen wunderschönen Sternenhimmel.
Dann ging es weiter und um 8 Uhr ungefähr sind wir endlich in Tamale angekommen! Wir haben aus dem Fenster heraus schonmal die Stadt angeguckt, da waren ganz viele Läden am Straßenrand und überall saßen Leute (und Kinder) die irgendwas verkauft haben. Ein bisschen wie auf dem Flohmarkt sah das teilweise aus. Manchmal waren über den Bordstein verteilt eine lange Reihe Schuhe zum Verkauf. Es gab sogar Ampeln! Und es gab viele Lodges, also Unterkünfte für Touristen, teilweise sahen die total prunkvoll aus, wie richtige Villen! Wir haben auch ein Fastfood-Restaurant gesehen, wo es Pizza gab! Hätte ich ja gerne mal probiert, aber wir sind ja nur vorbeigefahren. Der Bus hat an verschiedenen Stellen am Straßenrand gehalten und irgendwann hat der an der Busstation gehalten, aber wir sind schon vorher ausgestiegen. Wir haben uns drauf geeinigt, erstmal ein paar Besorgungen zu machen, bevor wir uns ausruhen. Elisa hat nämlich eine Bekannte in Tamale, bei der wir übernachten können. Wir sind dann auch erstmal zur Bank und haben das Wichtigste erledigt: Geld abheben!
Elisa hat uns zu einem Geschäft geführt, wo es europäische Sachen wie Nutella und so gibt, aber das hatte leider noch nicht offen. Wir sind dann in einen anderen Laden gegangen und haben ein paar Sachen eingekauft. Es war ziemlich kompliziert, da einzukaufen. Das war wie so ein Supermarkt (sowas sieht man in Bunkpurugu nie!) und man musste vorne seine Sachen abgeben. Dann hat man ein Kärtchen mit einer Nummer drauf gekriegt und eine andere passende Karte wurde auf die Taschen gelegt. Nach dem Bezahlen musste man mit allen Einkäufen zu einer Person gehen, die dann alles auf dem Kassenbon abgehakt hat und dann in eine Tüte gepackt hat. Was das für einen Sinn macht, ist mir nicht ganz klar geworden. Eine Überprüfung, dass auch alle Sachen mitgenommen werden?
Danach sind wir noch in einen Schreibwarenladen gegangen, wo wir unter anderem Musikboxen gekauft haben. Bei den Boxen habe ich den Verkäufer um Rat gefragt und er hat sie mit seinem Handy ausprobiert. Er hat sich glaub ich gefreut, Musik anmachen zu können und hat gleich mitgesungen. :D
Wir sind dann noch zum Post Office, weil Janina einen Brief abschicken musste und Elisa hat gleich ein Päckchen mitgenommen, das an jemanden in Nakpanduri adressiert war.
Elisa hat uns zu einem christlichen Buchladen geführt. Ich habe mir da eine englische Bibel gekauft (die New International Version). Danach haben wir noch zu Mittag gegessen. Elisa hat sich an einem Imbissstand eine Mischung aus Reis, Salat, Nudeln und Bohnen in der Tüte geholt und Janina und ich haben uns ein Eggbread gekauft an einem der Stände am Straßenrand. So ganz hygienisch sah das nicht gerade aus, aber was willste machen. Lecker war's trotzdem. :)
Danach sind wir mit dem Taxi aus der Innenstadt rausgefahren und zu dem Haus von Elisas Freundin Priscilla, wo wir heute Nacht übernachten werden. Wir wurden sehr herzlich bergrüßt. Sie ist die Tochter von Mama Dorcas, also der Gastmama von Elisa und Gesa und lebt mit ihrem Mann Daniel (noch einer!), ihrer kleinen Tochter, die ein Jahr alt und total süß ist, und ihrer Schwester in einem kleinen Haus. Wir haben uns erstmal hingelegt, weil wir noch so fertig von der Fahrt und vom Sachen schleppen waren. Wir haben uns drauf geeinigt, die restlichen Einkäufe auf morgen zu verschieben und erstmal auszuruhen.
Wir sind abends noch ein paar Leute besuchen gegangen. Die Verwandtschaft von Elisas und Gesas Gastmama wohnt hier. Im Dunkeln über die kaputten Wege zu gehen ist gar nicht so einfach, vor allem, wenn man zwischendurch über Wasserrinnsale oder Pfützen springen muss. Aber dafür hat man wieder den wunderschönen Sternenhimmel gesehen. :)
Wir haben auf dem Boden in einem Zimmer geschlafen auf einer Matratze und zwei Matten bzw. Decken. Meine Schulter tat noch weh vom Taschentragen, vielleicht wäre es einfacher, wenn wir die Sachen auf dem Kopf getragen hätten! :D
Am nächsten Morgen haben wir auf dem Fußboden in der hall gefrühstückt. Für jeden ein Teil Brot und Tee. Wir sind dann relativ schnell losgegangen, weil auf den Tickets (die Priscillas Bruder uns besorgt hatte) stand, dass der Bus schon um 12.30 Uhr an der station sein würde. Wir wollten ja noch ein paar Sachen einkaufen. Die Einkäufe haben wir so platzsparend wie möglich in die Tüten verteilt, aber es war trotzdem richtig schwer und viel. Wir sind wieder zuerst mit dem Taxi in die Innenstadt gefahren und dann zum Markt gegangen. Mein Gesamteindruck von diesem Markt ist: laut, stinkend, eng und heiß. Es war gar nicht so einfach, sich mit dem ganzen Gepäck durch die vielen Leute zu quetschen, zumal der Boden mal wieder aussah wie ein Schweizer Käse! Teilweise haben die Leute riesige Fleischstücke auf dem Tisch zurechtgeschnitten. Das roch nicht gerade angenehm! Es gab auch viele Stände mit Stoffen, da haben wir öfter mal geguckt, weil Gesa sich einen kaufen wollte. Ich habe mir auch einen Stoff gekauft, damit ich mir mal ein neues Kleid nähen lassen kann.
Nach dem Markt sind wir zu einem großen Geschäft gegangen, das wie einer der Intermarchés in Frankreich war. Es gab einfach alles und der Laden war riesig!
Mittagessen haben wir wieder in der Stadt gegessen. Elisa und ich haben uns Fried Rice geholt. Das wurde in kleinen Styroporpäckchen verkauft, zum Glück nicht in Tüten, das ist nämlich umständlich zu essen. Und einen Löffel gab es zum Glück auch. :)
Ein Mann wollte unsere Nummer und unsere Adresse haben (haben wir ihm aber nicht gegeben). Der war voll aufdringlich und ist uns bis zum Eggbreadstand hinterhergelaufen! :/
Um 12 waren wir an der Busstation und haben uns auf ein paar Stühle gesetzt, die am Rand standen und gegessen. Die waren teilweise überdacht mit Stoffplanen, aber Janina und ich saßen die ganze Zeit in der Sonne, weil im Schatten kein Platz mehr frei war. Wir haben auch beide voll den fetten Sonnenbrand gekriegt obwohl wir uns eingecremt hatten! Aber bei der Sonne hilft scheinbar nichtmal LSF 50 weiter.
Die ganze Zeit kamen Leute vorbei, mit Sachen auf dem Kopf oder in der Hand, die sie verkauft haben. Wir haben uns ein Eis geholt (bzw. gefrorener Vanillejoghurt – schmeckt super!) und ich hab Janina und mir noch ein Plastikfächer geholt, damit wir uns Luft zuwedeln konnten. Uns war so heiß! Und natürlich haben wir zwischendurch immer Wasser gekauft. Oft liefen auch Kinder durch die Mittagshitze mit dem schweren Wasser auf dem Kopf. Echt krass, was die aushalten! Wir haben noch 5 Äpfel gekauft, um sie unserer Gastfamilie mitzubringen, das hat Elisa nämlich auch gemacht. Ist wohl so üblich hier, dass man was mitbringt, wenn man auf Reisen war.
Um 3 ungefähr sind wir dann tatsächlich losgefahren. Der Fahrtwind tat gut! Janina, Gesa und ich saßen in einer Reihe und Elisa auf der anderen Seite des Ganges. Gesa saß am Gang und nach einigen Haltestellen standen so viele Leute im Gang gequetscht, dass sie schief sitzen musste, die Arme. Ich saß in der Mitte und hab mir mein Kissen in den Nacken gelegt und gedöst, während ich Musik gehört habe.
In Nakpanduri sind Elisa und Gesa ausgestiegen und wir haben Duncen angerufen, damit er uns von der Station in Bunkpurugu abholen kann. Ich habe mir in Nakpanduri noch aus dem Busfenster raus ein paar Erdnüsse gekauft, weil Gesa gesagt hat, dass die hier so lecker schmecken und sie hatte Recht! Vor uns in der Reihe saßen ein paar Kinder, die immer zu uns rüber geguckt haben. Ich habe ihnen Erdnüsse angeboten, aber sie haben gesagt „No, thank you“, ich glaube, sie haben sich nicht getraut.^^
Als wir in Bunkpurugu ankamen, hielt der Bus zuerst irgendwo im Dorf. Da lief gerade ein Gottesdienst und es war so laut, dass es für uns im Bus sogar schon kaum zu ertragen war! Ich verstehe nicht, warum die die Gottesdienste immer so unerträglich laut machen! Wir waren echt erleichtert, als der Bus endlich weitergefahren ist. An der Busstation hat uns Duncen abgeholt und unsere Tüten getragen. Die Straßen wirkten irgendwie so anders und leer ohne Menschen und im Dunkeln. Nur ein paar Ziegen lagen oder liefen auf der Straße. Zuhause angekommen kamen Eva und Nanteeb direkt auf uns zu und haben uns die Sachen abgenommen. Wir waren zwar eh schon da, aber egal, das gehört hier so zur Höflichkeitsnorm. Wir haben sie begrüßt und auch Dada, der im Hof saß.
Wir haben uns schon auf die Dusche gefreut, weil wir von der Fahrt total verstaubt und verschwitzt waren. Der ganze Staub von der Straße ist ständig reingeflogen und alles war voll damit! Aber leider war kein Wasser mehr da. Eva hat uns freundlicherweise einen Eimer noch geholt, aber für ne richtige Dusche hat es nicht mehr gereicht. Wir konnten nur den gröbsten Staub abwaschen.
Tja, und so endete unsere erste Reise nach Tamale staubig und dreckig, aber erfolgreich. ;)

Eure Lisa
der Markt in Tamale

nochmal Markt

ein Stoffladen
Markt

an der Busstation wird alles Mögliche verkauft - meistens auf dem Kopf

an der Busstation


der Bus steht zum Beladen bereit


Tamales Straßenverkehr