Sonntag, 24. März 2013

Die Arbeit beginnt

Am 15. Oktober sind wir das erste Mal zu unseren Extra Classes gegangen. Wir sind um drei von unserem Haus aus losgegangen. Vor der Tür stand schon ein junger Mann, der uns zur Schule begleitet hat. Später stellte sich geraus, dass er auch einer von unseren Kindern ist! Er ist aber laut den Registrierungsbögen 20 Jahre alt. Auch wenn man sich auf die Aussagen zum Alter nicht immer so verlassen kann, fanden wir es schon komisch, dass wir jemanden dabei hatten, der älter ist als wir selbst! Aber er hat die Extra Classes SEHR nötig, also ist das in Ordnung. ;)
Unterwegs sind immer mehr Leute mit uns gekommen, die Kinder und die Lehrerinnen Comfort und Lamisi. Am Ende waren wir eine große Karawane auf dem Weg zur Schule. :P
Die Schule ist direkt hinter der Kirche, also war uns der Weg schon ein bisschen vertraut. Es sieht aus wie ein leerstehendes Haus (bzw. mehrere kleine Gebäude), weil es keine Türen oder Fenster gibt, nur Löcher in der Wand und drinnen stehen ziemlich durcheinander einfach ein paar Holzbänke wie vor hundert Jahren. Die Bänke fallen zum größten Teil schon auseinander und sind nur notdürftig zusammengenagelt. An der Wand hängt eine verschmierte Tafel, auf der nicht mehr viel zu erkennen war. Aber auch an der Wand war ganz viel mit Kreide geschrieben.
Die Kinder wurden von Dada in drei Gruppen eingeteilt, die Lower Primary, Upper Primary und JHS (Junior High School). Ein paar von den registrierten Kindern waren nicht da und es waren auch viele andere Kinder da, die nicht in unserem Programm sind. Wir haben insgesamt 30 Kinder im Programm. Zum Glück gibt es noch die Lehrer (es sind eigentlich drei, aber ein Lehrer war nicht da und auch nicht zu erreichen...), sonst wäre es schwierig mit drei Klassen, die alle auf einmal stattfinden! Es beginnt um 15.30 Uhr wurde heute entschieden und morgen geht es dann richtig los. Die Extra Classes dauern eine Stunde. Das ist natürlich chillig. Morgen sollen wir die Schulhefte für die Kinder mitbringen. Nachdem alles Organisatorische besprochen war, sind wir auch schon wieder nach Hause gegangen und am nächsten Tag ging es dann los mit dem Unterricht.
Ein Tag später sind wir wieder um 3 los zur Schule, obwohl es ja erst um halb vier losgeht und wir nur ca. 10 Minuten bis zur Schule brauchen, aber wir dachten uns, besser ein bisschen früher da sein am ersten Tag. Die Kinder schlossen sich uns auch wieder auf dem Weg an und ein Mädchen hat mir die Hefte abgenommen und auf dem Kopf getragen, die wir ja heute an die Kinder verteilen sollten. An der Schule kamen uns schon ein paar Kinder entgegen. Zwei von ihnen haben auch gleich unsere Taschen getragen und ein Mädchen hat einfach Janinas Hand genommen! Voll süß!^^ Wir waren natürlich von den Erwachsenen die ersten an der Schule, weil wir ja zu früh waren, aber ziemlich bald kam schon Dada, der noch das Attendance-Registry-Heft (also die Anwesenheitsliste) ausgefüllt hat. Comfort und ein weiterer Lehrer (sein Name ist Azumah) kamen dann auch kurz nach halb. Dada hat dem Lehrer eine Standpauke gehalten. Es war zwar auf Moar, obwohl die hier oft so eine Mischung aus Moar und Englisch sprechen, d.h. man versteht immer so Bruchstücke. Aber sagen wir mal, die nonverbale Kommunikation war auch eindeutig. Aus den Bruchstücken meine ich erkannt zu haben, dass es darum ging, dass der Lehrer gestern nicht erschienen ist und sich auch nicht bei Dada gemeldet hat, obwohl er den ganzen Tag Zuhause war. Lamisi hat angerufen und gesagt, dass sie nicht kommen kann, weil ihr Fuß wehtut aber Dada hat Azumah seinen Moto-Schlüssel gegeben und gesagt, dass er sie abholen soll. Als die zwei dann wieder da waren, konnten wir anfangen. Dada hat den Kindern gesagt, dass sie sich je nach Gruppe in die drei Klassenräume aufteilen sollten. Dann sind die Lehrer mit uns nacheinander in „ihre“ Klassen gegangen (Azumah übernimmt die JHS, Lamisi die Upper Primary und Comfort die Lower Primary). Sie haben die Namen aufgerufen und im Attendance-Registry-Heft abgehakt und dann ist das Kind nach vorne gekommen und hat sich bei uns sein Heft abgeholt.
Als wir damit fertig waren, sind wir wieder nach draußen zu Dada gegangen, der im Schatten auf einer kleinen Mauer saß. Es waren viel mehr Kinder als unsere 30 da und Dada hat gesagt, dass die, die nicht zum Programm gehören, weggehen sollen. Er hat uns ein bisschen was erklärt, z.B. dass er noch auf die Bücher wartet, es wird wohl in Englisch, Mathe, Naturwissenschaften und Sozialkunde unterrichtet. Morgen ist das erste Mal das „Meeting“, wo alle Kinder zusammen mit uns Spiele machen. Dada meinte, wir können das morgen ausfallen lassen, weil wir ja noch nichts vorbereitet haben, aber wir haben gesagt, wir können das trotzdem morgen machen, bis dahin überlegen wir uns schon was.
Dann sollten die Kinder rauskommen und sich je nach Gruppe in drei Reihen aufstellen. Dada hat ihnen noch ein paar Informationen gegeben und dann wurden sie (und wir) entlassen. Auf dem Nachhauseweg haben wieder die Kinder unsere Sachen getragen, sogar bis rein in unser Haus. Das war uns am Anfang noch unangenehm, aber inzwischen haben wir uns dran gewöhnt. Die Kinder würden es auch nicht zulassen, wenn wir die Sachen selber tragen würden und sie freuen sich, das für uns zu machen.
Sehr praktisch. :)
Am Mittwoch war dann das erste Mal „Meeting“ und wir mussten uns irgendwelche Spiele überlegen, die man mit den Kindern spielen kann ohne Material. Uns ist dann aber doch noch einiges eingefallen.
Wir haben ihnen Plumpssack beigebracht (das haben wir „Falling Bag“ genannt^^) und einfach gesagt, dass sie irgendein Lied dabei singen sollten. Das hat denen glaube ich ziemlich viel Spaß gemacht. :) Dann haben wir noch „This Story of my Pony“, Kuhstall und noch ein paar andere Spiele gespielt. Manche haben sie nicht ganz verstanden... Die Kinder haben uns selber auch ein paar von ihren Spielen beigebracht, das habe ich wiederum teilweise nicht ganz verstanden, aber lustig war es trotzdem. :D
Sie haben sich immer fast drum gekloppt, neben uns stehen zu dürfen und sie haben ständig unsere Hand genommen. ^^
Ein Mädchen hat sich beim Spielen das Knie aufgeschrappt. Hingefallen sind die alle ständig, aber bei ihr war das Knie blutig. Ich hatte zum Glück ne Wasserflasche mit, damit konnten wir zumindest schonmal den Sand abwaschen. Das nächste Mal bringen Janina und ich Pflaster mit! Sie saß dann am Rand und konnte nicht mitspielen, das tat mir Leid. Hab mich ein bisschen zu ihr gesetzt.
Janina meinte später, dass die älteren Jungs wohl ein bisschen gelangweilt aussahen. Wir müssen das nächste Mal einfach ein zweigeteiltes Programm machen, damit auch was für die Älteren dabei ist, oder wir kaufen mal einen Ball oder so...
Der Lehrer Azumah war auch dabei, und er hat ein bisschen für die Kinder übersetzt, wenn sie ein Spiel nicht ganz verstanden haben. Wir sind mit ihm die Anwesenheitliste durchgegangen und dann hat er gefragt, ob wir noch irgendwelche Ansagen für die Kinder haben. Wir haben nur gesagt, dass morgen Extra Classes sind und dass sie ihre Hefte mitbringen sollen und Schulbücher, wenn sie welche haben. Der Leher hat noch gesagt, dass sie morgen pünktlich sein sollen, damit wir früh Schluss machen können. Morgen ist nämlich Market Day und dann können sie später noch auf den Markt.
Auf dem Heimweg ist mir aufgefallen, dass die Kleidung von den Kindern ziemlich zerschlissen aussieht. Ich wünschte, ich hätte auch so einen Koffer wie Annika in Jirapa mit ganz vielen Klamotten für die Kinder dabei!

Eure Lisa
an der Schule

in diesem Gebäude finden die Classes statt

beim Spiel "American Eagle - British Bulldog"

einer der Klassenräume

das Schulgelände
ein beliebtes Spiel

Wir mit unserer Rasselbande :)

Samstag, 9. März 2013

Tamale

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Am 12. Oktober sind wir das erste Mal nach Tamale gefahren. Um halb 1 in der Nacht sind wir mit Duncen zur Busstation gegangen. Dort stand schon der Bus bereit, aber wir konnten noch nicht einsteigen, weil erstmal das Gepäck beladen wurde. Wir haben unsere Rucksäcke aber mit auf unsere Plätze genommen. Wir hatten 4 Plätze vorne, zwei davon waren noch für Elisa und Gesa, die aber erst in Nakpanduri dazu gestiegen sind. Um halb 2 ungefähr sind wir in Bunkpurugu losgefahren.
Der Bus war ziemlich klapprig mit braunen Ledersitzen. Bei den unzähligen Huppeln auf dem Weg hat es die ganze Zeit so geruckelt, dass man dachte, der Bus fällt gleich auseinander! Ich hab mir einen Fensterplatz geschnappt und mich mit dem Kissen gegen das Fenster gelehnt, so konnte ich zumindest ein bisschen dösen. Ich war nämlich echt müde! Nach ein paar Ortschaften kamen immer mehr Leute rein, sodass sie irgendwann im Gang stehen mussten. Und das auf einer Sechs-Stunden-Fahrt mitten in der Nacht! Hühner waren auch mit von der Partie, die ab und zu wild rumgegackert haben, wenn der Bus über einen Huppel gefahren ist. :D
Einmal mussten wir alle aussteigen und ein Stückchen zu Fuß laufen, weil ein Tanklaster den Weg versperrte, der da irgendwie stecken geblieben ist. Der Bus ist dann durchs Gestrüpp außen rum gefahren. Wir hatten über uns einen wunderschönen Sternenhimmel.
Dann ging es weiter und um 8 Uhr ungefähr sind wir endlich in Tamale angekommen! Wir haben aus dem Fenster heraus schonmal die Stadt angeguckt, da waren ganz viele Läden am Straßenrand und überall saßen Leute (und Kinder) die irgendwas verkauft haben. Ein bisschen wie auf dem Flohmarkt sah das teilweise aus. Manchmal waren über den Bordstein verteilt eine lange Reihe Schuhe zum Verkauf. Es gab sogar Ampeln! Und es gab viele Lodges, also Unterkünfte für Touristen, teilweise sahen die total prunkvoll aus, wie richtige Villen! Wir haben auch ein Fastfood-Restaurant gesehen, wo es Pizza gab! Hätte ich ja gerne mal probiert, aber wir sind ja nur vorbeigefahren. Der Bus hat an verschiedenen Stellen am Straßenrand gehalten und irgendwann hat der an der Busstation gehalten, aber wir sind schon vorher ausgestiegen. Wir haben uns drauf geeinigt, erstmal ein paar Besorgungen zu machen, bevor wir uns ausruhen. Elisa hat nämlich eine Bekannte in Tamale, bei der wir übernachten können. Wir sind dann auch erstmal zur Bank und haben das Wichtigste erledigt: Geld abheben!
Elisa hat uns zu einem Geschäft geführt, wo es europäische Sachen wie Nutella und so gibt, aber das hatte leider noch nicht offen. Wir sind dann in einen anderen Laden gegangen und haben ein paar Sachen eingekauft. Es war ziemlich kompliziert, da einzukaufen. Das war wie so ein Supermarkt (sowas sieht man in Bunkpurugu nie!) und man musste vorne seine Sachen abgeben. Dann hat man ein Kärtchen mit einer Nummer drauf gekriegt und eine andere passende Karte wurde auf die Taschen gelegt. Nach dem Bezahlen musste man mit allen Einkäufen zu einer Person gehen, die dann alles auf dem Kassenbon abgehakt hat und dann in eine Tüte gepackt hat. Was das für einen Sinn macht, ist mir nicht ganz klar geworden. Eine Überprüfung, dass auch alle Sachen mitgenommen werden?
Danach sind wir noch in einen Schreibwarenladen gegangen, wo wir unter anderem Musikboxen gekauft haben. Bei den Boxen habe ich den Verkäufer um Rat gefragt und er hat sie mit seinem Handy ausprobiert. Er hat sich glaub ich gefreut, Musik anmachen zu können und hat gleich mitgesungen. :D
Wir sind dann noch zum Post Office, weil Janina einen Brief abschicken musste und Elisa hat gleich ein Päckchen mitgenommen, das an jemanden in Nakpanduri adressiert war.
Elisa hat uns zu einem christlichen Buchladen geführt. Ich habe mir da eine englische Bibel gekauft (die New International Version). Danach haben wir noch zu Mittag gegessen. Elisa hat sich an einem Imbissstand eine Mischung aus Reis, Salat, Nudeln und Bohnen in der Tüte geholt und Janina und ich haben uns ein Eggbread gekauft an einem der Stände am Straßenrand. So ganz hygienisch sah das nicht gerade aus, aber was willste machen. Lecker war's trotzdem. :)
Danach sind wir mit dem Taxi aus der Innenstadt rausgefahren und zu dem Haus von Elisas Freundin Priscilla, wo wir heute Nacht übernachten werden. Wir wurden sehr herzlich bergrüßt. Sie ist die Tochter von Mama Dorcas, also der Gastmama von Elisa und Gesa und lebt mit ihrem Mann Daniel (noch einer!), ihrer kleinen Tochter, die ein Jahr alt und total süß ist, und ihrer Schwester in einem kleinen Haus. Wir haben uns erstmal hingelegt, weil wir noch so fertig von der Fahrt und vom Sachen schleppen waren. Wir haben uns drauf geeinigt, die restlichen Einkäufe auf morgen zu verschieben und erstmal auszuruhen.
Wir sind abends noch ein paar Leute besuchen gegangen. Die Verwandtschaft von Elisas und Gesas Gastmama wohnt hier. Im Dunkeln über die kaputten Wege zu gehen ist gar nicht so einfach, vor allem, wenn man zwischendurch über Wasserrinnsale oder Pfützen springen muss. Aber dafür hat man wieder den wunderschönen Sternenhimmel gesehen. :)
Wir haben auf dem Boden in einem Zimmer geschlafen auf einer Matratze und zwei Matten bzw. Decken. Meine Schulter tat noch weh vom Taschentragen, vielleicht wäre es einfacher, wenn wir die Sachen auf dem Kopf getragen hätten! :D
Am nächsten Morgen haben wir auf dem Fußboden in der hall gefrühstückt. Für jeden ein Teil Brot und Tee. Wir sind dann relativ schnell losgegangen, weil auf den Tickets (die Priscillas Bruder uns besorgt hatte) stand, dass der Bus schon um 12.30 Uhr an der station sein würde. Wir wollten ja noch ein paar Sachen einkaufen. Die Einkäufe haben wir so platzsparend wie möglich in die Tüten verteilt, aber es war trotzdem richtig schwer und viel. Wir sind wieder zuerst mit dem Taxi in die Innenstadt gefahren und dann zum Markt gegangen. Mein Gesamteindruck von diesem Markt ist: laut, stinkend, eng und heiß. Es war gar nicht so einfach, sich mit dem ganzen Gepäck durch die vielen Leute zu quetschen, zumal der Boden mal wieder aussah wie ein Schweizer Käse! Teilweise haben die Leute riesige Fleischstücke auf dem Tisch zurechtgeschnitten. Das roch nicht gerade angenehm! Es gab auch viele Stände mit Stoffen, da haben wir öfter mal geguckt, weil Gesa sich einen kaufen wollte. Ich habe mir auch einen Stoff gekauft, damit ich mir mal ein neues Kleid nähen lassen kann.
Nach dem Markt sind wir zu einem großen Geschäft gegangen, das wie einer der Intermarchés in Frankreich war. Es gab einfach alles und der Laden war riesig!
Mittagessen haben wir wieder in der Stadt gegessen. Elisa und ich haben uns Fried Rice geholt. Das wurde in kleinen Styroporpäckchen verkauft, zum Glück nicht in Tüten, das ist nämlich umständlich zu essen. Und einen Löffel gab es zum Glück auch. :)
Ein Mann wollte unsere Nummer und unsere Adresse haben (haben wir ihm aber nicht gegeben). Der war voll aufdringlich und ist uns bis zum Eggbreadstand hinterhergelaufen! :/
Um 12 waren wir an der Busstation und haben uns auf ein paar Stühle gesetzt, die am Rand standen und gegessen. Die waren teilweise überdacht mit Stoffplanen, aber Janina und ich saßen die ganze Zeit in der Sonne, weil im Schatten kein Platz mehr frei war. Wir haben auch beide voll den fetten Sonnenbrand gekriegt obwohl wir uns eingecremt hatten! Aber bei der Sonne hilft scheinbar nichtmal LSF 50 weiter.
Die ganze Zeit kamen Leute vorbei, mit Sachen auf dem Kopf oder in der Hand, die sie verkauft haben. Wir haben uns ein Eis geholt (bzw. gefrorener Vanillejoghurt – schmeckt super!) und ich hab Janina und mir noch ein Plastikfächer geholt, damit wir uns Luft zuwedeln konnten. Uns war so heiß! Und natürlich haben wir zwischendurch immer Wasser gekauft. Oft liefen auch Kinder durch die Mittagshitze mit dem schweren Wasser auf dem Kopf. Echt krass, was die aushalten! Wir haben noch 5 Äpfel gekauft, um sie unserer Gastfamilie mitzubringen, das hat Elisa nämlich auch gemacht. Ist wohl so üblich hier, dass man was mitbringt, wenn man auf Reisen war.
Um 3 ungefähr sind wir dann tatsächlich losgefahren. Der Fahrtwind tat gut! Janina, Gesa und ich saßen in einer Reihe und Elisa auf der anderen Seite des Ganges. Gesa saß am Gang und nach einigen Haltestellen standen so viele Leute im Gang gequetscht, dass sie schief sitzen musste, die Arme. Ich saß in der Mitte und hab mir mein Kissen in den Nacken gelegt und gedöst, während ich Musik gehört habe.
In Nakpanduri sind Elisa und Gesa ausgestiegen und wir haben Duncen angerufen, damit er uns von der Station in Bunkpurugu abholen kann. Ich habe mir in Nakpanduri noch aus dem Busfenster raus ein paar Erdnüsse gekauft, weil Gesa gesagt hat, dass die hier so lecker schmecken und sie hatte Recht! Vor uns in der Reihe saßen ein paar Kinder, die immer zu uns rüber geguckt haben. Ich habe ihnen Erdnüsse angeboten, aber sie haben gesagt „No, thank you“, ich glaube, sie haben sich nicht getraut.^^
Als wir in Bunkpurugu ankamen, hielt der Bus zuerst irgendwo im Dorf. Da lief gerade ein Gottesdienst und es war so laut, dass es für uns im Bus sogar schon kaum zu ertragen war! Ich verstehe nicht, warum die die Gottesdienste immer so unerträglich laut machen! Wir waren echt erleichtert, als der Bus endlich weitergefahren ist. An der Busstation hat uns Duncen abgeholt und unsere Tüten getragen. Die Straßen wirkten irgendwie so anders und leer ohne Menschen und im Dunkeln. Nur ein paar Ziegen lagen oder liefen auf der Straße. Zuhause angekommen kamen Eva und Nanteeb direkt auf uns zu und haben uns die Sachen abgenommen. Wir waren zwar eh schon da, aber egal, das gehört hier so zur Höflichkeitsnorm. Wir haben sie begrüßt und auch Dada, der im Hof saß.
Wir haben uns schon auf die Dusche gefreut, weil wir von der Fahrt total verstaubt und verschwitzt waren. Der ganze Staub von der Straße ist ständig reingeflogen und alles war voll damit! Aber leider war kein Wasser mehr da. Eva hat uns freundlicherweise einen Eimer noch geholt, aber für ne richtige Dusche hat es nicht mehr gereicht. Wir konnten nur den gröbsten Staub abwaschen.
Tja, und so endete unsere erste Reise nach Tamale staubig und dreckig, aber erfolgreich. ;)

Eure Lisa
der Markt in Tamale

nochmal Markt

ein Stoffladen
Markt

an der Busstation wird alles Mögliche verkauft - meistens auf dem Kopf

an der Busstation


der Bus steht zum Beladen bereit


Tamales Straßenverkehr

Montag, 18. Februar 2013

Was dann noch geschah

In den nächsten Tagen haben wir das Dorf näher kennengelernt und uns immer mehr eingerichtet:
Dada ist mit uns noch ein paar Mal durch die Stadt gegangen. Er hat uns zu einer Privatklinik geführt, die, wie er meinte, besser ist als die staatliche. Es sah von außen nicht wirklich wie eine Klinik aus, aber es stand mit großen Lettern an der Wand.
Drinnen war es auch nicht wirklich wie man sich eine Klinik vorstellt. Ein großer Innenhof mit Räumen für die Leute, die mal ne Nacht oder so hier bleiben müssen. In der Mitte steht ein Baum und überall Bänke rum. Und alles ist voll mit Menschen. Man könnte es fast schon überfüllt nennen, aber diesen Begriff gibt es hier glaube ich gar nicht. Man hatte das Gefühl, sich gar nicht mehr durch die Menschen durchquetschen zu können, aber wir haben es geschafft.
Wir haben das Personal kennengelernt und sind dann einfach durchs Labor durchgelatscht.^^
Auf dem Weg hat uns Dada noch ganz viele Läden gezeigt, die irgendwelchen Verwandten oder Kirchenmitgliedern gehören. Ich glaube, Dada ist mit dem halben Dorf verwandt! :D
Wir sind dann noch durch die Felder zum Fluss gelaufen. Da haben ein paar Leute Wäsche gewaschen. Die Wäsche hing zum Trocknen über dem hohen Gras. Dada hat uns am Ufer einen großen Stein gezeigt, der die Form von Afrika hatte. Er nannte es „natural Map of Africa“. Da war sogar ein kleiner Stein daneben an der Stelle, wo Madagaskar liegt. Dada hat gesagt, dass er das 1960 (als er noch zur Schule ging) mit ein paar Freunden gefunden hatte, als sie am Fluss waschen waren. Er will mal Bescheid sagen, dass die Stadt da irgendeine Makierung hinmacht, damit der Stein nicht zerstört wird. Madakaskar wurde nämlich schon umgestoßen.^^
Wir haben auch endlich einen Internetstick bekommen, sodass wir endlich Kontakt zur Außenwelt haben konnten!
Ein Typ auf der Straße kam zielstrebig auf uns zu und hat gefragt, ob nicht eine von uns ihn heiraten würde. Ähm, nein.
Wir waschen unsere Wäsche mit Eimern im Hof. Janina war beim ersten Mal schon voll schnell fertig, aber ich saß bestimmt 2 Stunden da draußen. Es war so heiß und anstrengend, obwohl ich im Schatten saß. Irgendwann konnte ich nicht mehr, da hatte ich aber vielleicht grade Mal 2/3 geschafft. -.-
Ich hatte richtig Rückenschmerzen vom ganzen Bücken und mein Kopf tat auch weh. Ich fühlte mich noch den ganzen restlichen Tag so kränklich. :/
Als es anfing zu regnen, mussten wir von draußen die Sachen von der Leine holen. Zuerst windet es immer ziemlich heftig und wirbelt den ganzen Staub auf und dann kommt der Regen. Der Wind hatte schon die meisten unserer Sachen auf den Boden geschmissen, aber Mama und Eva haben die mit uns ganz schnell aufgehoben. Wir haben drinnen noch eine extra Leine gespannt und alles daran aufgehängt. Manche Sachen waren eh schon trocken. Das Gewitter war ganz nah und richtig heftig. Der Blitz war so hell, dass man dachte, dass jemand ein Foto gemacht hat und der Donner hat uns richtig erschreckt, so laut war es!
Wir haben beide mal unsere Schränke provisorisch auf der Veranda aufgehängt, weil es nervt, aus Koffern zu leben und der Zimmermann, der uns eigentlich einen Balken ins Zimmer basteln sollte ist auch nicht aufzutreiben. Also konnten wir schonmal zum Großteil unsere Koffer auspacken.
Als wir endlich unseren Balken gekriegt haben, wollten die Zimmermänner den Balken von der Türseite zum Fenster anbringen, aber das wäre dann unter dem Ventilator und mitten durchs Zimmer, also mehr als ungünstig! Wir konnten sie dann zum Glück überreden den Balken quer über die Tür anzubringen. Die Essgewohnheiten hier finde ich irgendwie interessant. Die Familie isst immer jeder für sich allein, scheinbar ist das Essen hier nicht so eine Gemeinschaftsaktion wie bei uns in Deutschland. Zumindest Janina und ich zelebrieren das ordentlich! :D Es wird auch immer mit den Händen gegessen, aber wir finden es leichter mit Besteck. ;)
Nach ungefähr einem Monat in Ghana sind endlich die Papiere (Arbeitserlaubnis) mit der Post angekommen. Wir sind mit Dada los und haben die kopiert für das Immigration Office. Ich hoffe, dass es dann bald endlich losgehen kann mit Arbeiten.
Ich habe angefangen, Psalm 121 an die Wand in der hall zu schreiben. Ich habe schonmal mit Bleistift an die Wand geschrieben. Das war anstrengend, weil ich noch die Linien malen musste, damit es wenigstens halbwegs grade ist, aber hat Spaß gemacht. Wir wollten auch noch einen Vers an unseren Balken im Schlafzimmer schreiben: „Wir aber vertrauen auf die Kraft Gottes, unseres Herrn.“, weil die Hängeschränke aussehen, als würden sie jeden Moment zusammen krachen! :D
Elisa und Gesa (zwei Freiwillige in Nakpanduri) haben uns per Motorroller besucht. Sie meinten, dass die Straße nach Bunkpurugu der Horror ist! Wir sind alle zusammen zum Haus des Pastors gegangen und haben mit ihm und seiner Frau geredet. Dann kam noch eine Frau namens Grace dazu, die zur Frauengruppe gehörte, die wir ab jetzt übernehmen sollen. Die Frauen treffen sich regelmäßig und stellen Seife her, die sie anschließend verkaufen. Bis jetzt hat es in Bunkpurugu noch nicht so richtig gestartet, aber es soll jetzt losgehen. Wir haben zusammen mit Grace und der Frau des Pastors draußen gesessen und alles besprochen.
Dada hat ein Treffen mit den Kindern und ihren Eltern (bzw. Erziehungsberechtigten) arrangiert. Das heißt, es geht endlich los mit Arbeiten! Ich war echt gespannt, die Kinder kennenzulernen. Wir haben (bzw. Dada stellvertretend für uns) erklärt, wer wir sind, was wir vorhaben undsoweiter. Am nächsten Montag sollten die Kinder das erste Mal zu einer Schule kommen, deren Räume wir benutzen können. Dann werden wir die einzelnen Klasses einteilen und dann kann es losgehen mit den Extra Classes. Dieser Unterricht findet immer Montags, Dienstags und Donnerstag Nachmittags statt und Mittwochs gibt es immer einen Spielenachmittag, der auch für Ausflüge oder andere Besonderheiten genutzt werden kann.
Um sieben gab es die Youth Group in der church. Wir sind zusammen mit Eva und Nanteeb hingegangen. Wir waren ne Viertel Stunde zu spät, was aber nichts ausgemacht hat, weil wir eh die ersten waren. Zwei Stunden später (!) hat es dann angefangen. Heute stand auf dem Programm „Prayer Night“, was zum Glück nicht dasselbe ist wie „All Night Prayer“. Es war ganz anders, als unser Hauskreis Zuhause, ziemlich ungemütlich und für uns irgendwie langweilig. Also mal sehen, ob wir da nochmal hingehen...
In der folgenden Nacht sind wir das erste Mal nach Tamale gefahren, der nächstliegenden großen Stadt und gleichzeitig die Hauptstadt der Northern Region. Aber davon soll mein nächster Blogeintrag berichten.

Eure Lisa


wir vertreiben uns die Zeit, während wir darauf warten, dass die Youth Group anfängt






Dienstag, 29. Januar 2013

Der erste Sonntag in Bunkpurugu

30. September
Um sieben sind wir aufgestanden und haben uns schnell fertig gemacht, weil wir um halb 9 loswollten zur church. Zuhause in Deutschland rechne ich eigentlich immer eine Stunde zum Fertigmachen, aber hier dauert alles länger, weil man ja immer noch Wasser holen muss.
Janina und ich haben beide unsere Kleider und dazu unsere frischgenähten Kopftücher angezogen. Zur Feier des Tages. ;)
Dada ist mit dem kleinen Dan schon vorher mit dem Motorroller zur church gefahren und wir sind dann mit Duncen nachgekommen. Wir waren trotzdem zu früh da. Es saßen alle einfach in den Reihen und es war leise. Ganz anders als in unserem Gottesdienst in Deutschland! :D
Es begann aber auch nicht mit dem eigentlichen Gottesdienst, sondern mit Sunday School, also sowas wie Bibelstunde. Wir haben aus einem Buch eine Lektion gemacht und darüber geredet. Diesmal ging es um Hiob, bzw. dass man in allem Leid dennoch auf Gott hoffen soll. Wir hatten leider unsere Bibeln nicht mit, aber die bringen wir das nächste Mal mit. Es gab eine englische Sunday School und eine auf der Stammessprache. In unserer (also der englischen natürlich) waren hauptsächlich junge Leute. Der Pastor und seine Frau waren auch dabei und der Pastor hat die Leitung gemacht. Die beiden sind erst vor einem Jahr nach Bunkpurugu gekommen und können auch noch nicht so gut die Stammessprache Moar sprechen.
Wir saßen draußen auf Bänken, die wir vorher von drinnen rausgetragen haben. Am Anfang waren nur ziemlich wenige da, aber später kamen noch ganz viele dazu, sodass die Hälfte am Ende stehen musste, weil nicht genug Plätze da waren.
Dann sind wir wieder rein und haben uns zurück auf unsere Plätze gesetzt. Janina und ich saßen als einzige Mädchen in einem Block voll Männer.^^ Ist mir aber erst später aufgefallen. Aber in Jirapa war das auch schon so getrennt, aber mehr aus Gewohnheit, glaube ich. Dada Daniel hat gesagt, dass es vollkommen in Ordnung ist, wenn wir uns auf die Männerseite setzen.
Der Gottesdienst beinhaltete natürlich wieder viel Musik und manchmal hat einfach jemand angefangen zu singen und die Gemeinde hat dann einfach eingestimmt. Es wurde auch viel getanzt. Einmal kamen die ganzen alten Frauen nach vorne und haben im Kreis getanzt, das sah sehr lustig aus. :) Wenn ich bedenke, dass zuhause immer alle sagen: „Ich bin doch viel zu alt dafür!“ :D
Zum Glück wurde der Gottesdienst auf Englisch abgehalten und dann übersetzt, so konnten wir was verstehen, auch wenn das Mikro ziemlich scheppernd klang und man deshalb manchmal nichts verstehen konnte. Rückkopplung gabs auch mehr als genug. :P
Am Ende des Gottesdienstes haben sich alle die Hand gegeben und ich glaube „God bless you“ auf der Stammessprache gesagt... Naja, wir haben es halt auf Englisch gesagt. :)
Wir sind dann wieder mit Duncen nach Hause gegangen. Es war ziemlich heiß. Dabei war heute morgen auf dem Hinweg die Temperatur noch richtig angenehm!
Wir sind mit Duncen zum Markt gegangen, um nach einem Spiegel zu schauen, aber das gab es nicht.
Dan ist schon ein bisschen zutraulicher geworden, er traut sich sogar auf unsere Veranda! :D Bin mal gespannt, wann er Vertrauen zu uns kriegt, noch hat er glaube ich ziemlich Angst vor uns. ;)
Wir haben uns am Nachmittag ein Salamibrot gegönnt. Da müssen wir zwar mit sparen, aber wir hatten heute Lust drauf und außerdem ist es Sonntag. :P
Duncen hat mit einem anderen Mann die Vorhänge in unserer Veranda und in den zwei Türen zur hall und zum Schlafzimmer aufgehängt. Jetzt fühlt man sich nicht mehr so wie im Zoo.^^
Abends haben Janina und ich der Familie die Gastgeschenke überreicht, die gerade draußen saßen. Es war Stromausfall, deswegen hatten wir nicht so viel Licht, aber das meiste war ja auch zum Schmecken da.^^ Sie haben sich sehr gefreut und mochten die Schokolade schonmal sehr gerne.
Während Janina geduscht hat, hab ich einen kleinen Annäherungsversuch gestartet und hab mich mit den Skatkarten zu den anderen nach draußen gesetzt. Ich habe dann Eva, Nanteeb und einem Jungen namens Prince (!) ein Spiel beigebracht. War gar nicht so einfach so fast ohne Licht. Eva hat es auch nicht so ganz kapiert, aber die andern zwei haben sich gut gehalten.
Wir hatten den ganzen Abend über keinen Strom und in der Nacht bin ich aufgewacht, weil plötzlich das Licht in der Veranda angegangen ist, als dann nämlich wieder Strom da war.^^

Eure Lisa

unser Dada macht die Einleitung zum Gottesdienst

tanzen in der Gemeinde :)

die Musikgruppe "Voices of Victory"


Pastor Jonathan bei seiner Predigt

so sieht es aus, wenn man bei Stromausfall zu Abend isst!


Dienstag, 22. Januar 2013

Old Mac Donald had a farm

29. September
Dada wollte mit uns durch die Nachbarschaft gehen und uns den Nachbarn vorstellen. Wir haben wieder brav allen Awuanduali gesagt und waren ziemlich überfordert als sie dann noch andere Sachen gesagt haben und auf eine Antwort gewartet haben.^^ Also, wir müssen noch einiges lernen hier. :P
Es ist wohl so, dass die Leute samstags nicht ihrer normalen Arbeit nachgehen, wie ihr Bürojob oder so, sondern sich um das Haus und die Farm kümmern. Zum Beispiel wurde gerade an einem Haus die Maisernte eingefahren, d.h. die Leute waren auf dem Feld und ein Mann hat mit so einer Art Motorroller mit Anhänger (die werden hier Motorking genannt) die Maiskolben zum Haus gebracht. Dada hat uns erklärt, dass man hier kein richtiger „landlord“ sein kann, ohne ein paar Tiere zu besitzen. Es laufen ja auch überall Schafe und Ziegen und Schweine und Esel und Hühner herum...
Viele von den Leuten, die wir getroffen haben, sagten, sie würden uns immer besuchen kommen, aber das sagen fast alle und die Wenigsten kreuzen dann echt auf! :D
Zuhause haben Janina und ich aus den Stoffresten von unseren Kleidern Kopftücher genäht und ich hab mir noch eine Schleife daraus gemacht. Ohne Nähmaschine hat das ziemlich lange gedauert.
Es wird Zeit, dass wir ans Arbeiten kommen! Oft ist uns ziemlich langweilig und wir vertreiben uns so die Zeit.
Heute gab es ein richtig heftiges Gewitter mit sehr sehr viel Regen, aber im Haus war das irgendwie gemütlich. :)

Eure Lisa
Mensch und Tier leben nebeneinander

Das Cruella-Deville-Lamm ;)

Die Maisernste wird abgeladen

Yo, alles fit, Checker?

Freitag, 18. Januar 2013

Ein bisschen Alltag

Dada hat uns im Dorf rumgeführt, und uns bei allen wichtigen Institutionen bekannt gemacht. Alle haben gesagt, dass wir „most welcome“ sind. Gelegentlich bekamen wir auch Heiratsanträge, wenn man das überhaupt so nennen kann. Mehr so Feststellungen: „Ich werde eine von euch heiraten!“ Na, vielen Dank. Gut, dass ich Bescheid weiß! :D
Wenn wir durch die Stadt gehen, rufen uns die Kinder immer „Batule“ oder „Father“ hinterher. Batule heißt einfach „Weiße“, und „Father“ nennen sie uns, weil die einzigen Weißen, die hier in Bunkpurugu waren, Priester in der Mission waren. Also sind für die Kinder alle Weißen gleich „Fathers“. Dass es sich dabei um das falsche Geschlecht handelt, fällt scheinbar keinem auf! :D
So langsam hat sich hier ein gewisser Alltag eingespielt. Da wir im September noch nicht am Arbeiten sind, verbringen wir viel Zeit in unserem Zimmer, hören Musik und schreiben Tagebuch oder Blogeinträge.
Essen gibt es hier immer so gegen 11 Uhr und irgendwann haben sich unsere Mägen darauf eingestellt und wir bekamen um 11 Hunger! Die Soßen sind immer sehr sehr ölig, aber meistens lecker und das übrige Essen schmeckt uns auch (wenn es nicht gerade T.Z. ist – ein Klops aus Maismehl, der hier fast täglich gegessen wird und uns irgendwann einfach zum Hals raushing! :P). Beim Fleisch oder Fisch darf man manchmal nicht so genau hinschauen, was man da gerade isst. Wir hatten schon Teile wie die Wirbelsäule, Rippen, oder eine Luftröhre im Topf! :D Leider gibt es nur selten Gemüse oder Obst zum Essen. Hier im Norden gibt es längst nicht so viele Früchte wie im Süden Ghanas. Wenn wir dann man eine Ananas oder eine Melone zum Nachtisch bekommen ist das immer ein echtes Highlight! Dafür werden im Dorf viele Wassermelonen angebaut und manchmal kaufren wir uns eine. Das ist echt lecker und erfrischend bei dieser Hitze!
Jedes Haus hat vor der Tür eine überdachte Sitzmöglichkeit, so wie wir einen Baum mit einem Gestell aus Baumstämmen darunter. Aber darauf lässt es sich nicht so bequem sitzen, deswegen stellen wir uns meistens einfach einen Stuhl oder eine Bank darunter. Die Ghanaer sind da schmerzfrei, sie schlafen sogar manchmal auf den Baumstämmen!
Dort trifft man meistens auf irgendjemanden aus der Familie und es dient als eine Art Treffpunkt oder was bei uns die Funktion eines Gartens wäre...
Unsere Gastfamilie besteht aus Mama und Dada (die wir vom Alter her eigentlich nicht Mama und Dada nennen könnten, aber sie sind auch zu jung, um als Großvater/-mutter zu gelten), Eva, die Haushaltshilfe (wobei diese meistens auch zur Verwandtschaft gehören, das weiß ich in diesem Fall aber nicht so genau) und Nanteeb, Dadas Großneffe, sein Vater ist bei einem Motorradunfall gestorben und seitdem lebt der Junge hier. Er ist um die 13 Jahre alt und auch in unserem Programm. Dada war früher Lehrer, ist aber jetzt in Rente. Er hat sieben Kinder, die wir inzwischen auch schon fast alle kennengelernt haben. Einer seiner Söhne, Duncen, lebt auch hier mit seinem Sohn Daniel (Dan genannt). Der ist 3 Jahre alt und richtig süß und frech.^^ Am Anfang war er noch ganz verschüchtert, aber inzwischen kennt er uns und wird mit uns vertraut.
Nachdem wir schon eine Weile in Bunkpurugu waren, kam noch ein Mädchen dazu, eine Enkelin von Dada. Ihr Name ist Linanturin und sie geht hier zur Schule, während sie (wie das so üblich ist) im Haushalt hilft. Wir haben uns schon mit ihr angefreundet, kann man sagen und mit ihr gehen wir auch mal gelegentlich in die Stadt oder besuchen ihre Schule (natürlich nicht, wenn gerade Unterricht ist). ;)
Die einzigen Haushaltspflichten, die wir selbst in unserem Häuschen haben, sind Geschirr spülen, Ordnung halten, Frühstück machen, dafür auch einkaufen und Wäsche waschen.
Das mit der Wäsche ist immer ein ziemlicher Akt und ich vermisse schon die Wachmaschine in Deutschland! Wir stehen immer früher auf, wenn wir waschen müssen, weil es dann draußen noch nicht so heiß ist und dann kann die Wäsche im Laufe des Tages draußen auf der Leine trocknen. Das geht hier zum Glück in Nullkommanix!
Ich bin froh, dass wir nicht Wasser holen müssen! Wir sind einmal mitgegangen. Ca. 5 Minuten Fußweg entfernt, ist einer der Dorfbrunnen. Da muss man dann die Pumpe betätigen, um seine Schüssel zu füllen. Die Pumpe ist richtig schwer und ich kann verstehen, warum die meisten Mädels hier so Oberarmmuckis haben! :D Dann wird die Schüssel oder der Eimer auf dem Kopf nach Hause getragen und das Wasser in die Tonne oder den Krug im Hof gefüllt. Meistens muss man mehrere Male gehen, bis der Krug voll ist.
Also ich bin echt dankbar für jeden Wasserhahn und jede Wasserleitung, die wir zuhause in Deutschland haben!

auf geht's mit Dada in die Stadt!
Eure Lisa
der Blick auf die Straße vor unserem Haus

der Hof im Rundumblick


Wäsche trocknen im Hof

Wäsche waschen...
...und Geschirr spülen

die "Arbeitsecke" im Hof mit Geschirr, Fufustampfer und Steine zum Zerkleinern (von Tomaten z.B.)

unser kleiner Freund - er lebt in unserem Dach in der hall

der Blick auf die andere Seite der Straße und ein Teil des Hauses


hier darf auch mal gefaulenzt werden!

ich präsentiere: T.Z.

Donnerstag, 17. Januar 2013

Moar, Englisch und andere Versuche, zu kommunizieren

27. September
Dada wollte heute mit uns zum Haus des Pastors gehen. Auf dem Weg dorthin haben wir immer Leute getroffen, denen wir „Awuanduali“ sagen konnten. Die meisten haben gelacht oder gegrinst und manche waren richtig überrascht! Aber die Begrüßung ist ne lange Zeremonie und bei den Einheimischen wirkt das wie eingeübt. Wir müssen noch viele Begriffe lernen, bis wir es voll drauf haben.^^
Später wollten wir gerne mal zum Markt. Dada meinte, er holt jemanden, der mit uns zum Markt geht, weil es alleine wegen der Kommunikation schwierig ist... Eva, die Haushaltshilfe in unserem Haus, hat uns schließlich begleitet.
Auf dem Markt war es wie zu erwarten sehr sehr voll und laut. Meistens wurde Reis oder Bohnen oder kleine getrocknete Fische oder roter Pfeffer oder Stoffe oder Plastikbehältnisse oder Kosmetikartikel oder Flipflops verkauft. Wir haben uns einen Mülleimer gekauft und ein Stück Stoff als Tischdecke. Das mit der Kommunikation war wirklich nicht so einfach, selbst mit Eva. Zuerst waren wir an einem Stand, wo wir einen schönen Stoff kaufen wollten. Wir haben uns schon Zuhause überlegt, dass ein Yard als Tischdecke reichen würde. Der Mann hat gesagt, dass es 2,50 kostet. Später stellte sich heraus, dass er 25 Cedi meinte und zwar für den ganzen Stoffballen! Soviel hatten wir gar nicht mit und wollten wir auch nicht ausgeben. Wir haben gefragt, ob er uns nicht ein Yard abschneiden könnte, aber das ging bei dem Stoff wohl nicht (warum auch immer). Das fanden wir schade, weil der wirklich schön war, aber da konnten wir nichts machen.
Die Ghanaer haben noch nicht so lange ihre aktuelle Währung, dessen muss man sich bewusst sein. Denn viele sagen twentythousand für 20 Pesawas usw. Man muss dann einfach 5 Nullen abziehen, dann hat man den eigentlichen Preis in Cedi. Aber wenn man das nicht weiß (wie wir am Anfang), kann es zu großen Missverständnissen kommen. 20.000 für einen Wasserbeutel???
An einem anderen Stand haben wir dann einen anderen Stoff gekauft, den konnten wir aber auch nur als 2-Yard-Stück kaufen. Wir wollten noch gerne einen Spiegel kaufen, aber das hat Eva irgendwie nicht verstanden, zuerst hat sie uns zu Milch geführt, dann zu Kaffeepulver, bis wir es aufgegeben haben. Ich glaube, die wissen hier teilweise gar nicht, was ein Spiegel ist! :D
Hier im Dorf sprechen weniger Leute Englisch, als ich erwartet hätte. Das macht es natürlich kompliziert, aber ich glaube, zumindest mit den jungen Leuten kann man Englisch reden. Zum Glück wird der Gottesdienst auf Englisch abgehalten wird bzw. übersetzt, sonst wäre es echt ätzend für ein Jahr! Unsere Mama kann gar kein Englisch, sie hat mich gestern auf der Stammessprache Moar angesprochen und dann mit Händen gezeigt, was sie wollte. Aber mit einem Lächeln kommt man hier immer durch, glaube ich. :P

Eure Lisa

Samstag, 12. Januar 2013

Ein Rundgang durch Bunkpurugu

26. September
Heute wollten wir uns gerne mal unser neues Heimatdorf ansehen. Dada haben wir unterm Baum an der Straße gefunden. Wir haben ihm gesagt, dass wir gerne in die Stadt würden um ein paar Sachen zu besorgen. Er sagt, er holt ein Mädchen, das uns führen soll. Wir haben uns solange einfach unter den Baum gesetzt. Dann kam er irgendwann mit einem Mann namens John. Dada meinte, dass das Mädchen keine Zeit hatte, weil es grade privaten Unterricht gegeben hat und in der Schule war. Dafür würde John uns die Stadt zeigen. Wir sind dann auch direkt los. John hat uns ein bisschen ausgefragt, wie lange wir hier sein würden und was wir hier machen und so. Als er erfahren hat, dass wir aus Deutschland kommen, meinte er, dass es sein großer Traum ist, mal nach Deutschland zu kommen. Das hören wir von fast allen Ghanaern!
Er hat uns die großen Straßen in der Stadt gezeigt. Es gibt zwei „Main Streets“, die zum Marktplatz hinführen. Überall stehen ganz viele Läden am Rand, alle niedrige Hütten mit Wellblechdach. Den Marktplatz haben wir uns auch angeschaut, es war alles leer, weil erst morgen Markttag ist. Da kommen wohl viele Leute von weit weg die hier ihre Waren verkaufen. Alles war voll mit Holzständen. Da standen auch einige umgekehrte Tonkrüge, die sahen ein bisschen aus wie Rieseneier! John hat gesagt, dass man darin Wasser lagert bzw. erhitzt oder eine Suppe drin macht oder so.
Ich habe ganz viele Fotos gemacht. John hat uns erklärt, dass Bunkpurugu die Hauptstadt vom Bunkpurugu Yunyoo District ist. Trotzdem ist es hier sehr ländlich, zumindest mehr als in Jirapa und manchmal kommt man sich wie 100 Jahre in die Vergangenheit versetzt vor. Zum Beispiel wenn ein Kind einen Reifen vor sich über die Straße rollen lässt oder wenn ein Eselskarren vorbeifährt.
John hat uns auch nochmal ein paar Wörter in seiner Sprache beigebracht, was wir sofort anwenden konnten. Zum Beispiel heißt „Awuanduali“ „Guten Morgen“ und darauf antwortet man mit „Limah“. Damit haben wir die Leute begrüßt, die haben alle gelacht und waren überrascht. John sagte, dass sie sich darüber freuen. Es sei eine besondere Ehre wenn wir sie begrüßen und dass es das Thema des Tages sein wird! „Die weiße Frau hat mir Awuanduali gesagt!“
In den Geschäften haben wir immer „Nipo“ anwenden können, das heißt nämlich „Danke“.
Wir haben so allerhand eingekauft. Einen Spiegel und Mülleimer gab es nirgends. Da müssen wir halt morgen noch zum Markt, da gibt es das bestimmt.
John hat uns noch ein paar Familienmitgliedern vorgestellt und ein paar Freunden. Wir waren in einem Drug Store (Apotheke), der seinem Bruder gehört. Der Laden hieß „Still Love Jesus Chemicals“ und es gab auch einen „Good Shepherd Supermarket“, das war aber kein wirklicher Supermarkt, sondern ein genauso kleiner Laden wie alle anderen. :D Wir müssen im Moment sparsam mit dem Geld umgehen, weil Janina nur noch ca. 40 Cedi hat und wir erst wieder Geld abheben können, wenn wir mal in Tamale sind. Das kann noch dauern, aber Elisa hat gesagt, dass sie und Gesa (die zwei Freiwilligen in Nakpanduri) uns Bescheid sagen, wenn sie das nächste Mal fahren, damit wir zusammen fahren können. Man muss, um nach Tamale zu kommen, den Bus um 3 Uhr morgens nehmen und dann fährt man ca. 6 Stunden. Aber das ist halt die nächste große Stadt und die Hauptstadt der Northern Region.
Johns ältere Schwestern und seine kleine Nichte haben wir auch noch kennengelernt. Johns eine Schwester hat ihren Namen nach dem Wochentag, an dem sie geboren wurde. Ziemlich unkreative Variante, einem Kind Namen zu geben! :D Seine andere Schwester besitzt einen Friseurladen, da hängen ganz viele falsche Haare an der Wand!^^ Man hat richtig gemerkt, wie stolz John auf seine Schwester war. Ich habe ein Foto von ihrem Laden gemacht, davon war er total begeistert und wollte es sich ausdrucken. Er geht aber morgen zurück zur Uni nach Bolgatanga. Er möchte Bankkaufmann werden und einen schönen Anzug und Krawatte tragen, hat er uns erzählt! Er ist schon im letzten Jahr und hat keine Lust mehr. :P
Wir kamen auf dem Weg an ganz vielen interessanten Bäumen und Pflanzen vorbei und John hat uns erklärt, was was ist und wofür man es braucht. Auch an einem Beet von rotem Pfeffer kamen wir vorbei, das sah cool aus. Ein Baum hatte eine lustige Frucht, das war flach und länglich und ziemlich groß. John hat uns beiden jeweils eins abgebrochen und gesagt, dass es wie ein Schwert aussieht. :D
Als wir wieder Zuhause ankamen, hat sich John noch zu uns auf die Veranda gesetzt und wir haben ihm was zu trinken angeboten, ganz wie es sich hier gehört. Als es Abendessen gab, haben wir ihn dazu eingeladen.
Janina und ich haben dann das Zeug gespült, es triefte nur so von Öl! Hier bereitet man nicht die Soße mit Öl zu, sondern das Öl mit Soße!! John ist dann irgendwann nach Hause gegangen, das war nicht schlecht, wir waren nämlich ziemlich platt. Wir haben noch auf Janinas Bett Karten gespielt und Musik gehört. Mir ist nie aufgefallen, dass es nur so wenige Kartenspiele gibt, die man zu zweit nur mit Skatkarten spielen kann! Wir brauchen dringend Freunde! :D

auf dem (noch) leeren Marktplatz

erinnert mich ein bisschen an die Arbeiten von Andy Goldsworthy


Der "Friseur-Salon" von Johns Schwester

Ein Schwert vom Baum ;)


Baobab oder Affenbrotbaum

man beachte den Zustand der Straßen! :/ Wie soll man da denn Rollerfahren lernen??

in der Stadt
Eure Lisa